Ein Jahr POIS-Deutschland: Eine Bilanz
Stetige Nachfrage
2025 war das erste vollständige Kalenderjahr von POIS Deutschland. Im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember wurde die Website von knapp 3.000 Nutzerinnen und Nutzern besucht, insgesamt wurden rund 25.000 Interaktionen registriert.
Für ein seltenes und bislang wenig bekanntes Krankheitsbild verdeutlichen diese Zahlen einen stabilen Informationsbedarf. Unabhängig von einzelnen Aufmerksamkeitsspitzen zeigte sich über das gesamte Jahr hinweg ein konstantes Grundinteresse am Thema.
Hoher Beratungsbedarf
Neben den Website-Zugriffen erreichten uns im Jahr 2025 45 direkte Anfragen von unterschiedlichen Betroffenen per E-Mail. Aus diesen Erstkontakten entwickelte sich ein weiterführender Austausch mit insgesamt 230 beantworteten E-Mails. Unser ältester Hilfesuchender war über 70 Jahre alt und litt „erst“ seit wenigen Jahren unter POIS-Symptomen.
Die Anliegen reichten von der Einordnung individueller Beschwerden über Fragen zu diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten bis hin zu medizinischen Anlaufstellen. Die persönliche Kontaktaufnahme zeigt, dass Betroffene häufig über Jahre nach einer verständlichen Erklärung suchen und verlässliche Orientierung benötigen – ein typisches Muster bei seltenen Erkrankungen mit begrenzter Versorgungsstruktur.
Hinzu kamen zahlreiche Telefonate sowie ein reger Austausch in unserer Telegram-Gruppe, die inzwischen auf über 60 Mitglieder angewachsen ist.
Austausch vor Ort: Erste POIS-Selbsthilfegruppe Deutschlands in Berlin
Neben der digitalen Kommunikation traf sich die Berliner POIS-Selbsthilfegruppe im Jahr 2025 insgesamt acht Mal zum persönlichen Austausch. Im Mittelpunkt standen individuelle Erfahrungen, medizinische Fragestellungen und der Umgang mit der Erkrankung im Alltag.
Wir hoffen, dass sich in Zukunft auch in weiteren Regionen selbstorganisierte Gruppen bilden. Der persönliche Austausch bleibt ein wichtiger Bestandteil der Unterstützung bei seltenen Erkrankungen.
Interessierte, die in ihrer Region eine Selbsthilfegruppe aufbauen möchten, können sich gerne per E-Mail an uns wenden.
Bundesweite Aufmerksamkeit – Berichterstattung in der BILD
Ein prägender Moment im Jahr 2025 war die Berichterstattung in der Print- und Online-Ausgabe der BILD. Die Redaktion begleitete eines unserer Berliner Selbsthilfetreffen mit Interview und Fotograf. Der Artikel „Nach jedem Orgasmus bin ich krank“ stellte POIS erstmals bundesweit einer breiten Öffentlichkeit vor.
Die Veröffentlichung führte zu einem deutlichen Anstieg der Website-Zugriffe. In den Tagen und Wochen danach erreichten uns zahlreiche Anfragen von Männern, die erstmals eine Erklärung für ihre langjährigen Beschwerden fanden. Viele beschrieben, dass sie durch die Berichterstattung zum ersten Mal verstanden hätten, dass ihre Symptome kein Einzelfall sind – und dass es dafür einen Namen gibt.
Für ein seltenes Krankheitsbild stellt eine solche mediale Reichweite einen wichtigen Schritt dar. Sichtbarkeit schafft Aufmerksamkeit – und Aufmerksamkeit ist häufig Voraussetzung für weitere Einordnung und Vernetzung.
POIS wird im deutschsprachigen Raum sichtbarer
Parallel zur öffentlichen Berichterstattung wurde die strukturelle Präsenz weiter ausgebaut. POIS-Deutschland wurde in zentrale Informations- und Selbsthilfeverzeichnisse aufgenommen, darunter Wikipedia, Orphanet, SEKIS und NAKOS. Damit ist das Krankheitsbild im deutschsprachigen Raum erstmals systematisch in etablierten Informationsstrukturen auffindbar.
Zudem wurde unser Online-Angebot über eine Rundmail an mehr als 300 Kontakte aus Urologie, Andrologie und Sexualmedizin sowie an entsprechende Fachgesellschaften und Verbände kommuniziert.
Ein erstes Fazit
Nach einem Jahr zeigt sich eine klare Entwicklung: POIS ist weiterhin selten, aber es ist sichtbarer, besser vernetzt und erstmals strukturiert adressiert worden.
Mit POIS-Deutschland existiert erstmals ein deutschsprachiges Informationsangebot, das sich sowohl an Betroffene als auch an medizinisches Fachpersonal richtet. Durch die systematische Aufbereitung des aktuellen Wissensstands und die Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen wird eine wichtige Informationslücke geschlossen.
Dieser Aufbau von Sichtbarkeit, Vernetzung und fachlicher Einordnung ist kein Endpunkt, sondern ein erster Schritt. Für eine seltene Erkrankung ist er jedoch von zentraler Bedeutung. |