Post-Orgasmic-Illness-Syndrom: Erfolgreicher Behandlungsansatz mit Desloratadin

Ein aktueller Fallbericht aus Japan berichtet über eine vollständige Remission der Symptome des Post-Orgasmic-Illness-Syndroms (POIS) unter Behandlung mit dem Antihistaminikum Desloratadin.

Beginn der POIS-Symptome und Krankheitsverlauf

Der in dem Bericht beschriebene Patient entwickelte seine Symptome im Alter von 17 Jahren. Nach jeder Ejakulation – sowohl im Rahmen von Masturbation als auch bei nächtlichen Ejakulationen – traten zuverlässig starke Beschwerden auf. Dazu zählten insbesondere eine ausgeprägte Erschöpfung, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl, das mehrere Tage anhalten konnte.

Die Symptome führten zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität und des Alltags. Vor Beginn der beschriebenen Therapie wurden andere mögliche organische oder neurologische Ursachen ausgeschlossen.

Therapie mit Antihistaminikum Desloratadin

Als therapeutischer Ansatz wurde eine tägliche Behandlung mit Desloratadin begonnen. Desloratadin ist ein nicht-sedierendes H1-Antihistaminikum, das üblicherweise zur Behandlung allergischer Erkrankungen eingesetzt wird. Die Einnahme erfolgte kontinuierlich und unabhängig vom Zeitpunkt der Ejakulation, also nicht nur prophylaktisch rund um sexuelle Aktivität.

Deutliche Besserung bis vollständige Remission der POIS-Symptome

Bereits nach etwa einem Monat berichtete der Patient über eine deutliche Besserung der postorgasmischen Beschwerden. Im weiteren Verlauf kam es schließlich zu einem vollständigen Ausbleiben der POIS-Symptome nach der Ejakulation. Der Patient konnte wieder sexuelle Aktivität ausüben, ohne die zuvor typischen Beschwerden zu entwickeln. Die Behandlung wurde gut vertragen; relevante Nebenwirkungen wurden im Verlauf nicht beobachtet oder berichtet.

Mögliche immunologische und histaminvermittelte Ursachen von POIS

Die Autoren des Fallberichts interpretieren diesen Therapieerfolg als möglichen Hinweis auf eine histaminvermittelte oder immunologische Komponente des POIS. Antihistaminika blockieren die Wirkung von Histamin, einem zentralen Botenstoff bei allergischen und entzündlichen Reaktionen. Das Ansprechen auf Desloratadin könnte darauf hindeuten, dass bei diesem Patienten eine überschießende histaminabhängige Reaktion nach der Ejakulation eine Rolle gespielt hat. Diese Annahme fügt sich in frühere Fallberichte und kleinere Fallserien ein, in denen ebenfalls Antihistaminika oder andere immunmodulierende Therapien bei einzelnen POIS-Patienten wirksam waren.

Aussagekraft und Limitationen des Fallberichts

Gleichzeitig betonen die Autoren die deutlichen Limitationen ihrer Beobachtung. Es handelt sich um einen Einzelfall ohne Kontrollgruppe, objektive Messparameter oder standardisierte Symptomskalen. Aussagen zur Wirksamkeit von Desloratadin bei POIS im Allgemeinen lassen sich daraus nicht ableiten. Dennoch liefert der Bericht einen weiteren Baustein für die Hypothese, dass POIS bei zumindest einem Teil der Betroffenen immunologisch oder entzündlich vermittelt sein könnte.

Bedeutung des Falls für Forschung und zukünftige Therapieansätze

Abschließend unterstreicht der Fallbericht die Notwendigkeit systematischer Studien, um mögliche Subtypen von POIS besser zu charakterisieren und gezielte Therapieansätze zu entwickeln. Antihistaminika könnten dabei für ausgewählte Patienten einen therapeutischen Ansatz darstellen, ihre Rolle muss jedoch in größeren und kontrollierten Studien weiter untersucht werden.

Hier geht es zur Original-Studie

Quelle: Ito K, Kobayashi K, Hashimoto K, Yorozuya W, Okabe K, Nofuji S, Sakai Y, Kyoda Y, Tanaka T, Masumori N. Administration of Desloratadine for Postorgasmic Illness Syndrome in a Japanese Teenager. IJU Case Rep. 2026 Jan 14;9(1):e70128. doi: 10.1002/iju5.70128. PMID: 41541906; PMCID: PMC12803729.

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