Neue Fallberichte verdeutlichen klinische Vielfalt und Versorgungsprobleme bei POIS

Eine neue Studie aus Portugal (Preprint) beschreibt zwei detaillierte Fallberichte zum Post-Orgasmic-Illness-Syndrome (POIS), die wichtige Einblicke in die klinische Vielfalt, therapeutische Herausforderungen und die psychosozialen Belastungen der Erkrankung geben.

Die Arbeit beschreibt zwei Männer mit POIS, die nach Ejakulation nicht nur körperliche Beschwerden wie extreme Müdigkeit, Muskel- und kognitive Symptome entwickelten, sondern bei einem der Fälle auch deutliche psychiatrische Belastungen zeigten. Die Symptome traten unabhängig von Orgasmus-Art auf und führten zu deutlichen Einschränkungen der Lebensqualität.

49-jähriger Mann (sekundäres POIS):

  • Symptome nach jeder Ejakulation (Muskelsteifigkeit, genitales Brennen, schwere Müdigkeit)
  • umfangreiche medizinische Abklärungen ohne organischen Befund
  • Therapie: fluvoxamin (50 mg), cyclobenzaprin (10 mg), psychologische Unterstützung, Sexualberatung
  • psychosoziale Anpassungen (z. B. Koitus-Positionen), symptomatische Verbesserung der Lebensqualität, aber keine vollständige Remission

18-jähriger Mann (primäres POIS seit Pubertät):

  • ausgeprägte Müdigkeit, kognitive Beeinträchtigungen, Irritabilität, Bauchbeschwerden nach Orgasmus
  • wiederholte psychiatrische Hospitalisierung nach schwerwiegender Verhaltensverschlechterung (Agitation und Aggressivität)
  • Behandlung mit Antidepressivum und Antipsychotikum, psychologische Betreuung
  • teilweise Besserung, aber weiterhin erhebliche Beeinträchtigungen

Kernergebnisse

  • POIS kann verschieden ausgeprägt sein – von körperlichen Beschwerden bis zu schweren psychiatrischen Belastungen.
  • Multidisziplinäre Betreuung (medizinisch, psychologisch, sexualmedizinisch) kann symptomatische Verbesserungen und eine bessere Lebensqualität bewirken.
  • Trotz umfassender diagnostischer Untersuchungen konnten die Autoren keine organischen oder allergischen Ursachen feststellen.
  • Wiederholte, belastende Symptome führten zu sozialer Isolation, Vermeidungsverhalten und psychischen Belastungen

Einordnung

Für Betroffene verdeutlichen diese Fallberichte, dass POIS sehr unterschiedlich verlaufen kann und sowohl körperliche als auch psychische Symptome umfassen kann. Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Beschwerden real sind und auch dann ernst genommen werden sollten, wenn in der medizinischen Diagnostik keine organischen oder allergischen Ursachen gefunden werden. Die Studie zeigt zudem, dass eine alleinige medikamentöse Behandlung häufig nicht ausreicht und eine multidisziplinäre Betreuung – einschließlich psychologischer und sexualmedizinischer Unterstützung – sinnvoll sein kann. Gleichzeitig machen die Fälle deutlich, dass eine vollständige Beschwerdefreiheit bislang selten erreicht wird und Geduld sowie individuell angepasste Behandlungsstrategien notwendig sind.

Die Studie fordert eine höhere klinische Aufmerksamkeit und Forschung, um Ursache, Diagnose und Therapie von POIS besser zu verstehen.

Einschränkung

Der Artikel ist derzeit ein Preprint (Stand: Dezember 2025), d. h. noch nicht peer-reviewed, und sollte als vorläufiger wissenschaftlicher Beitrag betrachtet werden.

Quelle

Den Preprint „Post-Orgasmic Illness Syndrome: Clinical Presentation, Psychosocial Impact, and Management Challenges Based on Two Case Reports“ gibt es hier frei einsehbar auf Preprints.org:

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